Was sind KI-generierte Bilder?
KI-Bilder entstehen, wenn du einer KI eine Beschreibung gibst, eine sogenannte Anweisung, und die KI daraus ein Bild berechnet. Tools wie Midjourney, GPT Image 2 von OpenAI oder Adobe Firefly machen das in Sekunden.
Das klingt praktisch. Ist es auch. Aber das Bild, das dabei entsteht, hat keine menschliche Schöpferin im klassischen Sinne, und genau da fängt das rechtliche Problem an.
Wem gehört ein KI-Bild?
Das deutsche Urheberrecht schützt nur Werke, die von einem Menschen geschaffen wurden, mit einer gewissen Schöpfungshöhe, also kreativem Eigenanteil. Reine Anweisungseingabe reicht nach der aktuellen Rechtsprechung nicht aus.
Das Gute: Du brauchst keine teure Lizenz, um KI-Bilder zu nutzen. Das weniger Gute: Du kannst dich auch nicht wirklich davor schützen, dass jemand anderes dein Bild ebenfalls verwendet.
Ein Meilenstein in dieser Frage ist das Urteil des Oberlandesgerichts Düsseldorf vom 2. April 2026 (Az.: I-20 W 2/26). Das Gericht entschied, dass die Verwendung eines urheberrechtlich geschützten Fotos als Vorlage für eine KI-Software nicht automatisch zu einer Urheberrechtsverletzung führt. Entscheidend ist nicht, ob das Ergebnis ähnlich aussieht, sondern ob konkrete geschützte Gestaltungselemente übernommen wurden.
Was sagen die AGB der einzelnen Tools?
Jedes Tool regelt das anders, und das ist entscheidend.
GPT Image 2 von OpenAI
OpenAI überträgt dir alle Rechte am generierten Bild. Kommerzielle Nutzung ist erlaubt. Einen urheberrechtlichen Schutz gegenüber Dritten bekommst du damit aber nicht.
Midjourney
Mit einem kostenpflichtigen Abonnement ab dem Standard-Plan darfst du die Bilder frei und kommerziell nutzen, ohne Quellenangabe. Der Basic-Plan schließt kommerzielle Nutzungsrechte aus. Bilder aus dem kostenlosen Test dürfen ausschließlich privat verwendet werden. Unternehmen mit über einer Million Dollar Jahresumsatz benötigen mindestens einen Pro-Account.
Adobe Firefly
Firefly ist für die kommerzielle Nutzung unbedenklich. Adobe hat das Modell mit lizenzierten Inhalten aus Adobe Stock und gemeinfreiem Material trainiert, sodass Adobe Lizenz- und Urheberrechtsfragen verantwortungsvoll handhabt. Aktuell die rechtssicherste Option für gewerbliche Nutzung.
Was ändert sich ab dem 2. August 2026?
Ab dem 2. August 2026 tritt Artikel 50 des EU AI Acts in Kraft. KI-generierte Bilder müssen dann in vielen Kontexten sichtbar als solche gekennzeichnet werden, direkt beim Bild, nicht versteckt im Alt-Tag oder auf einer separaten Quellenangabe-Seite.
Für die Kennzeichnung selbst gibt es keine Formvorschrift: Du kannst die offiziellen EU-Icons nutzen, die die EU-Kommission kostenlos zur Verfügung stellt, oder einfach einen gut lesbaren Text direkt beim Bild platzieren, zum Beispiel „KI-generiert" oder „Hintergrund KI-generiert". Beides ist zulässig, Hauptsache es ist für normale Besucherinnen auf den ersten Blick erkennbar.
Wie das in der Praxis aussieht, zeigt Aldi Süd schon seit Sommer 2025 vor: Der Discounter kennzeichnet KI-generierte Hintergründe in seinen Prospekten freiwillig mit dem Hinweis „Hintergrund KI-generiert" direkt im Bild. Damals musste Aldi das noch gar nicht, es war eine freiwillige Transparenzentscheidung. Ab dem 2. August 2026 wird daraus für viele Unternehmen Pflicht.
Wichtig noch: Es gibt keine Rückwirkungspflicht. Bilder, die du vor dem 2. August 2026 veröffentlicht hast, musst du nicht nachträglich kennzeichnen. Die Pflicht gilt für alles, was ab dem Stichtag neu veröffentlicht oder aktualisiert wird.
Für Texte gibt es eine wichtige Ausnahme: Wer KI-Texte redaktionell überarbeitet und als namentlich benannte Person die Verantwortung für die Inhalte trägt, ist von der Kennzeichnungspflicht befreit. Aber Achtung: Reines Drüberlesen reicht nicht. Es muss eine echte inhaltliche Prüfung sein. Bei Bildern, Videos und Ton gibt es diese Ausnahme nicht.
Für Texte gilt die Kennzeichnungspflicht außerdem nur, wenn alle drei dieser Bedingungen gleichzeitig zutreffen:
- Der Text geht an eine größere, unbestimmte Zahl von Menschen.
- Er informiert, statt nur zu unterhalten.
- Das Thema betrifft die Öffentlichkeit, also etwa Politik, Gesundheit oder Wirtschaft.
Ein Workshop-Einladungstext oder eine Produkt-Beschreibung fällt schon bei der dritten Bedingung raus. Kein öffentliches Interesse, also keine Pflicht, auch ohne redaktionelle Prüfung.
Bei Bildern, Videos und Ton ist die Lage strenger: Entscheidend ist allein, ob der Inhalt wie echt wirkt. Offensichtlich gezeichnete oder comichafte Inhalte fallen nicht darunter, niemand hält sie für echt. Aber ein fotorealistisches KI-Bild muss gekennzeichnet werden, egal ob eine echte Person zu sehen ist oder nicht.
Und noch ein häufiges Missverständnis: Die Kennzeichnungspflicht gilt nicht nur im Internet. Auch ein Telefon-Chatbot, ein Video auf einer Konferenz oder ein gedruckter Prospekt sind betroffen, wenn Menschen mit dem Inhalt in Kontakt kommen und ihn für echt halten könnten. Genau das macht Aldi Süd seit Sommer 2025 richtig: Die Kennzeichnung steht im gedruckten Handzettel.
Was solltest du jetzt konkret tun?
- Tool mit klarer Rechtslage wählen: Adobe Firefly ist aktuell am sichersten für kommerzielle Nutzung.
- Kostenpflichtiges Abo bei Midjourney: Nur dann hast du kommerzielle Nutzungsrechte.
- AGB dokumentieren: Screenshot und Datum bei jeder Nutzung, Tool und Version festhalten.
- KI-Bilder ab dem 2. August 2026 kennzeichnen: Mit den offiziellen EU-Icons, sichtbar direkt beim Bild.
- Keine bekannten Stile oder Marken nachahmen: „Im Stil von" ist rechtlich ein rotes Tuch.
- Bei wichtigen Projekten Rechtsberatung holen: Besonders für Logos, Kampagnenmotive oder alles, was du als Markenzeichen nutzen willst.
Wie du KI-Tools sicher und sinnvoll in deinen Alltag integrierst, das üben wir in meinen Workshops. Ohne Fachchinesisch, mit echten Ergebnissen.
Fazit
KI-Bilder sind ein mächtiges Werkzeug, aber kein rechtsfreier Raum. Du darfst sie nutzen, du schützt sie damit aber nicht. Ab dem 2. August 2026 kommt die Kennzeichnungspflicht dazu. Wer jetzt die richtigen Tools wählt, dokumentiert und sich informiert, ist auf der sicheren Seite.
Häufige Fragen
Kann ich KI-Bilder für meine Website nutzen?
Grundsätzlich ja, aber abhängig von den AGB des Tools. Adobe Firefly und GPT Image 2 erlauben kommerzielle Nutzung. Bei Midjourney brauchst du mindestens ein Standard-Abonnement.
Bin ich Urheberin eines KI-Bildes, das ich erstellt habe?
Nach deutschem Recht nicht automatisch. Die Anweisung allein reicht nach aktuellem Stand nicht für Urheberrechtsschutz aus. Ein Schutz entsteht erst, wenn du das Bild so stark durch eigene kreative Arbeit überarbeitest, dass eine persönliche geistige Schöpfung entsteht.
Was passiert, wenn jemand mein KI-Bild verwendet?
Da du selbst keinen sicheren Urheberrechtsschutz hast, ist die Rechtslage schwierig. Dritte dürfen dasselbe Bild grundsätzlich frei nutzen. Für Markenlogos empfiehlt sich deshalb menschlich gestaltetes oder stark nachbearbeitetes Material.
Muss ich KI-Bilder kennzeichnen?
Ab dem 2. August 2026 ja, in vielen Kontexten. Die Kennzeichnung muss sichtbar sein, direkt beim Bild. Die EU stellt kostenlose Icons zur Verfügung.
Darf ich ein KI-Bild als Logo verwenden?
Rechtlich möglich, aber riskant. Da KI-Bilder keinen Urheberrechtsschutz genießen, können Dritte dasselbe Motiv ebenfalls nutzen. Für Markenlogos empfehle ich menschlich gestaltete oder stark nachbearbeitete Werke.
