Meine Teilnehmerin Ingrid hat mir letzte Woche geschrieben: „Silke, ich hab ChatGPT gefragt, ob meine Mutter Ibuprofen nehmen darf. Die Antwort klang so überzeugend. Aber stimmt die auch?"
Gute Frage. Und sie führt direkt zu dem, was ich für das Wichtigste halte, das man über KI wissen muss: KI klingt immer überzeugend. Das bedeutet nicht, dass sie immer recht hat.
Also lass uns das sortieren. Was kann KI wirklich — und wo sollte man ihr schlicht nicht vertrauen?
Was KI richtig gut kann
Texte formulieren und überarbeiten. Das ist die Königsdisziplin. E-Mails entschärfen, Briefe strukturieren, Ideen in verständliche Sprache verwandeln — dabei ist KI unschlagbar schnell und oft besser als wir es selbst wären.
Zusammenfassen. Langer Artikel, langes Dokument, komplizierter Vertrag — KI liest das in Sekunden und gibt dir die fünf wichtigsten Punkte. Das spart Stunden.
Ideen entwickeln. Für ein Geburtstagsgeschenk, ein Rezept, einen Urlaub, ein Projektkonzept. KI denkt in alle Richtungen gleichzeitig und kommt auf Ideen, auf die wir allein nie kämen.
Erklären. Komplizierte Themen einfach erklärt — Steuern, Medizin, Technik, Geschichte. KI hat das Wissen von Millionen Bücher gelesen. Sie erklärt geduldig, so oft du willst, so einfach du willst.
Übersetzen. Nicht nur Wort für Wort, sondern mit Ton und Kontext. Besser als Google Translate, ehrlich gesagt deutlich besser.
Was KI nicht kann — und wo du aufpassen musst
Aktuelle Fakten kennen. Die meisten KI-Modelle haben ein Wissens-Enddatum. Was danach passiert ist — neue Gesetze, aktuelle Preise, heutige Nachrichtenlage — weiß die KI nicht. Sie erfindet dann manchmal einfach etwas Plausibles. Das nennt sich Halluzination.
Immer die Wahrheit sagen. KI lügt nicht absichtlich — aber sie irrt sich. Und das mit großer Überzeugung. Quellen, Zahlen, Namen, Daten: immer nachprüfen, wenn es wichtig ist. Louisa Kastner vom Fraunhofer-Institut betont: KI arbeitet ausschließlich mit vorhandenen Daten — unerwartete Ereignisse oder neue Entwicklungen tauchen dort schlicht nicht auf.
Dich wirklich kennen. KI weiß nicht, wer du bist, was du durchmachst, wie sich dein Leben anfühlt. Sie kann zuhören und antworten — aber sie fühlt nicht. Für echte emotionale Unterstützung brauchst du echte Menschen.
Medizinische Diagnosen stellen. Das ist keine KI-Aufgabe. Sie kann allgemeine Informationen geben — aber keine individuelle Diagnose, keine Therapieempfehlung. Für Ingrids Frage zur Ibuprofen-Dosis: Apotheke anrufen.
Rechtssichere Auskunft geben. Steuerrecht, Mietrecht, Erbrecht — KI kennt die Grundlagen, aber nicht deinen konkreten Fall. Für wichtige Entscheidungen: Fachberatung.
Je wichtiger die Entscheidung, desto mehr braucht KI einen menschlichen Gegencheck. Für eine E-Mail: kein Check nötig. Für eine medizinische Entscheidung: immer einen Profi fragen.
Was das für dich bedeutet
KI ist kein Orakel. Kein Allwissender. Kein Ersatz für Fachleute bei wichtigen Fragen. Aber als tägliche Assistentin für Schreiben, Denken, Organisieren und Recherchieren? Unschätzbar.
Der Trick ist, zu wissen wann du ihr vertraust — und wann du nachprüfst. Genau das lernst du im Umgang mit KI. Und es dauert keine Woche, bis es sich natürlich anfühlt. Wie du dabei am besten vorgehst, erkläre ich in meinem Artikel warum Nachfragen der wichtigste KI-Skill ist.
