Was ist der häufigste Fehler beim Nutzen von KI?
Ich habe in den letzten Monaten über hundert Frauen in meinen Workshops begleitet. Der Fehler, den ich am häufigsten sehe, ist nicht die falsche Anweisung, nicht das falsche Tool und nicht fehlendes Technik-Wissen. Es ist: zu früh aufhören.
Die KI liefert eine Antwort. Okay, aber nicht perfekt. Und statt nachzufragen, passiert das hier: Danke, das ist super, Fenster zu, fertig. Warum? Weil viele von uns gelernt haben, zu nehmen, was sie kriegen, keine Umstände zu machen, nicht zu anspruchsvoll zu sein. Eine Teilnehmerin sagte einmal: Ich will die nicht nerven. Über die KI. Über ein Programm, das keine Gefühle hat, nie müde wird und sich über gar nichts beschwert.
Genau da liegt der Schlüssel. KI ist kein Automat, bei dem du auf einen Knopf drückst und ein Ergebnis herausfällt. KI ist ein Gespräch. Und wie jedes gute Gespräch wird es erst dann richtig gut, wenn du sagst, was du wirklich meinst.
Vorher und nachher: derselbe Auftrag, zwei Ergebnisse
Damit du siehst, was ich meine, hier ein echtes Beispiel. Eine Teilnehmerin wollte sich bei einer Kundin für eine Terminverschiebung entschuldigen.
Sehr geehrte Frau Müller, ich möchte mich aufrichtig bei Ihnen entschuldigen, dass ich unseren Termin am Donnerstag leider verschieben muss. Aufgrund unvorhergesehener Umstände ist es mir nicht möglich, den vereinbarten Zeitpunkt einzuhalten. Ich hoffe sehr, dass Sie Verständnis haben, und schlage als Alternativtermin den kommenden Montag vor. Mit freundlichen Grüßen
Hey Lisa, kurze Info, ich muss unseren Donnerstag leider verschieben, mir ist was dazwischengekommen. Sorry dafür. Hättest du nächsten Montag Zeit, gleiche Uhrzeit? Freu mich auf dich.
Selbe Aufgabe, selbe KI, komplett anderes Ergebnis. Nicht weil die KI beim ersten Mal schlecht war, sondern weil sie beim ersten Mal nicht wusste, wer da eigentlich schreibt.
Warum ist die erste Antwort selten die beste?
Die KI kennt dich nicht. Beim ersten Versuch rät sie: Wer bist du? Wie redest du? Was ist der Kontext? Sie wählt den sichersten Weg, und der ist meistens förmlich, allgemein und ein bisschen langweilig. Das ist wie bei einer neuen Kollegin, die eine Mail für dich schreiben soll, ohne dass du ihr sagst, an wen, in welchem Ton und was dir wichtig ist. Das Ergebnis wäre auch generisch. Der Unterschied entsteht nicht durch eine bessere erste Anweisung, sondern durch das, was danach kommt. Warum KI grundsätzlich anders arbeitet als eine Suchmaschine, steht im Artikel Warum KI nicht wie Google ist.
Welche Nachfragen bringen dich weiter?
Du brauchst keine perfekte Anweisung. Du brauchst nur ein paar ehrliche Sätze, die du hinterherschiebst.
Wenn der Ton nicht stimmt
- Das ist mir zu förmlich. Schreib es so, wie ich es einer Freundin erzählen würde.
- Weniger Coaching-Ton, mehr wie eine kluge Kollegin, die geradeheraus redet.
- Das klingt wie aus einem Ratgeber. Ich will, dass es nach mir klingt.
Wenn der Inhalt nicht passt
- Das geht am Kern vorbei. Mein eigentliches Problem ist: [in einem Satz erklären].
- Du hast X beantwortet, aber ich meinte eigentlich Y.
- Das ist zu allgemein. Ich brauche das konkret für meine Situation: [kurz beschreiben].
Wenn du mehr willst
- Gib mir noch drei andere Varianten, die erste war gut, aber nicht meine.
- Kürzer, höchstens drei Sätze.
- Das ist ein guter Anfang. Jetzt mach es mutiger, wärmer oder direkter.
Wenn du nicht weißt, was fehlt
- Irgendwas stimmt noch nicht, aber ich weiß nicht genau was. Stell mir drei Fragen, die dir helfen würden, es besser zu machen.
Häufige Fragen
Wie oft darf ich nachfragen?
So oft du willst. Die KI wird nicht ungeduldig und antwortet beim zehnten Mal genauso freundlich wie beim ersten. Jede Nachfrage bringt das Ergebnis näher an das, was du meinst.
Muss ich meine erste Anweisung perfekt formulieren?
Nein. Der Unterschied entsteht nicht durch die perfekte erste Anweisung, sondern durch das Nachfragen danach. Fang einfach an und verbessere im Gespräch.
Was mache ich, wenn ich nicht weiß, warum die Antwort nicht passt?
Sag genau das. Schreib: Irgendwas stimmt nicht, aber ich weiß nicht was, stell mir drei Fragen, die dir helfen würden. Die KI hilft dir dann, das Problem einzugrenzen.
Brauche ich dafür ein Abo?
Nein. Nachfragen funktioniert in jeder Version. Ob sich ein Abo für dich lohnt, liest du im Artikel ChatGPT kostenlos oder Abo.
Fazit
Nimm eine Aufgabe, bei der du KI schon mal benutzt hast, oder etwas, das du seit Tagen vor dir herschiebst, eine Mail, eine Absage, eine Anfrage. Tipp deine erste Anweisung ein, lies die Antwort und frag dich dann, statt Danke, reicht: Ist das wirklich das, was ich wollte? Wenn nicht, sag es. In deinen Worten, ohne Höflichkeitsfloskeln. Die KI hält das aus. Wenn du gleichzeitig lernen willst, klar zu formulieren, hilft der Artikel Klarer kommunizieren mit KI.
