KI richtig fragen: Was sich seit Februar wirklich geändert hat
Am 9. September saß ich beim Deutschen Fernsehpreis im Publikum, Bärbel neben mir, während vorne auf der Bühne Peter Kloeppel seine Dankesrede hielt. Mitten drin sagte er einen Satz, der seitdem in meinem Kopf hängt. Wer KI dumm fragt, wird dadurch auch nicht schlauer.
Ich habe kurz gelacht, dann geschluckt. Der Mann hat recht, und das aus dem Mund eines Nachrichtenmannes, der sein halbes Berufsleben mit klaren Fragen verbracht hat.
Inhalt
Warum reicht eine dumme Frage nicht mehr?
Als ich im Februar mit SilKI angefangen habe, galt noch die einfache Faustregel Rolle, Aufgabe, Kontext, Format. Vier Bausteine, und die Antwort passte. Heute merke ich in jedem Workshop, dass die Modelle geduldiger geworden sind, aber die Antwort trotzdem nur so gut ist wie die Frage dahinter. Der Unterschied ist nicht mehr, ob du die vier Bausteine kennst. Der Unterschied ist, wie genau du sie füllst.
Das liegt daran, wie diese Modelle arbeiten. Eine KI wie ChatGPT oder Claude sucht nicht in einer Datenbank nach der richtigen Antwort, sie erzeugt die Antwort in dem Moment neu, Wort für Wort, aus dem, was du ihr gibst. Je weniger du ihr gibst, desto mehr muss sie raten. Und geraten wird meistens Richtung Durchschnitt, eine solide, aber generische Antwort, die für niemanden richtig passt. Warum das ein grundlegend anderes Prinzip ist als bei Google, erklärt der Artikel Warum KI eben NICHT wie Google ist.
Was hat sich seit Februar wirklich verändert?
Anthropic, die Firma hinter Claude, beschreibt das in ihrem aktuellen Prompting-Leitfaden inzwischen anders. An erster Stelle steht klare, direkte Kommunikation, die genau sagt, was gebraucht wird. Erst danach kommen Beispiele und der Rest der Werkzeugkiste. Rollenspiele wie „Du bist eine erfahrene Kollegin" rutschen weiter nach hinten. Sie helfen, aber sie sind nicht mehr der wichtigste Hebel.
Anthropic beschreibt dafür eine einfache Faustregel. Zeig deine Anweisung einer Kollegin, die vom Thema keine Ahnung hat, und lass sie sie befolgen. Versteht sie nicht, was du willst, wird es die KI vermutlich auch nicht verstehen. Das ist im Grunde nichts anderes als guter, klarer Führungsstil, nur eben an ein Sprachmodell gerichtet statt an eine Praktikantin.
Wie fragst du KI konkret richtig?
Praktisch heißt das, vier Dinge in deine Anweisung zu packen, egal in welcher Reihenfolge, solange sie alle vorkommen.
- Sag, wofür es ist. Der Zweck verändert die Antwort mehr als jedes Fachwort.
- Sag, für wen es ist. Für dich selbst, für eine Kollegin, für eine Kundin, das entscheidet über Ton und Tiefe.
- Sag, wie es klingen soll. Direkt, locker, förmlich, das darfst du der KI ruhig vorgeben.
- Sag, wie lang oder in welchem Format. Ein Satz, acht Sätze, eine Liste, eine Tabelle.
Ein Beispiel macht das schneller klar als jede Regel.
Probier diesen Satz einmal mit deiner eigenen Aufgabe aus, und vergleiche das Ergebnis mit der letzten Frage, die du gestellt hast, ohne den Zweck zu nennen. Der Unterschied überrascht die meisten Frauen in meinen Workshops.
Wenn du das lieber an zwölf konkreten Beispielen übst statt allein am Bildschirm, im KI-Basics-Workshop fangen wir genau bei dieser Frage an, bevor überhaupt ein Prompt geschrieben wird.
Häufige Fragen
Fazit
Peter Kloeppel hat auf der Bühne einen Satz gesagt, der eigentlich eine Einladung war, keine Drohung. Wer bei der ersten vagen Antwort aufgibt, hat meistens auch nur vage gefragt. Wie du nach der ersten Antwort noch weiterkommst, statt dich mit einem knappen Danke zufriedenzugeben, zeigt der Artikel Nachfragen statt sich zufrieden geben.
Klarheit statt Rätselraten
Im KI-Basics-Workshop lernst du, wie du KI von Anfang an genau sagst, was du willst, live online, maximal zwölf Teilnehmerinnen.
Platz sichern
Silke Zapatka ist IHK-zertifizierte KI-Managerin und Gründerin von SilKI (silKI-KI.de), KI-Workshops für Frauen ab 40. Live online, maximal 12 Teilnehmerinnen, ohne Technikjargon.
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